Wenn ich zeitbedingt nicht so zum Klavierspielen komme ..

.. dann fehlt mir etwas. Nach langen Arbeitstagen reicht aber oft die Konzentration nicht mehr aus, um z. B. ein noch neues Stück sinnvoll weiter zu erarbeiten – wenn ich das versuche, habe ich eher das Gefühl, Rückschritte gemacht zu haben. Probiere ich das Gleiche dann am nächsten Tag, ausgeschlafen und ausgeruht – klappt es deutlich besser.

Einfach vor mich hin spielen, bekannte Stücke, einfache Menuette von Bach zum Beispiel .. langsam, leise ..zur Entspannung. Das geht fast immer. . Die Töne fühlen, die Melodie wirken lassen – und meine Seele findet langsam wieder zu sich.

Heute war so ein langer Arbeitstag. Viele Gespräche, viele Aufgaben. Meine Augen brennen, der Kopf rotiert – und ich freue mich auf einen entspannenden Abend und dann Schlaf nachholen (ja, ich weiß, Schlaf kann man eigentlich nicht nachholen).

Und vielleicht noch ein paar Takte. Langsam die erste Seite der Mondscheinsonate spielen. Ich nähere mich vorsichtig diesem Werk an, mit Ehrfurcht – Beethoven hat mich schon seit jeher begeistert. Ich möchte den ersten Satz dieses Stückes spielen können – auch wenn dies lange dauern wird. Der Weg ist das Ziel …

Wenn ich zeitbedingt nicht so zum Klavierspielen komme ..

Die Musik, das Klavier und die Seele

..Meine Kollegin meinte gestern – die Welt heutzutage ist doch völlig „unmenschlich“ gestaltet, weil die Dinge so viele Ecken und Kanten haben, aus hartem Material sind – ganz fern von uns Menschen.

Sie könnte sich zum Beispiel nicht an einen Drucker kuscheln, keine Zuneigung von einem PC-Monitor oder einem Schreibtisch bekommen ..und die ganze Technik, so viel Nutzen sie auch bringt, entfremdet uns doch immer weiter – von anderen und von uns selbst. Künstliche Nähe über Smartphone und Computer, ständige Beschleunigung der Vorgänge –

der Mensch tut alles, um die UNmenschlichkeit und damit die Entfremdung zu fördern. Also UNmenschlich nicht im Sinne von grausam, sondern von eben nicht menschen-ähnlich. So dass wir als Menschen unser ureigenes Wesen immer mehr zu verlieren drohen ..

Ich dachte natürlich sofort an mein Klavier. Ein Gegenstand – und doch viel mehr: durch die Berührung meiner Finger – bzw. durch meinen ganzen Körper – kann ich Klänge erzeugen, in einer enormen Vielfalt – und die Klänge, die Musik – das wiederum ist etwas Ureigenes des Menschen, seit Ewigkeiten, das aus seiner Seele kommt und seine Seele berührt – das uns zu uns selbst führen und uns zugleich mit anderen verbinden kann.

Warum bin ich so – buchstäblich – verrückt nach dem Klavierspielen, seit ich seine Bedeutung für mich erkannt habe?

Wie kann es mich so intensiv berühren, mich eins mit mir selbst machen, zutiefst glücklich machen?

Es ist ein Instrument und somit ein Gegenstand. Aber es ist so viel mehr – es ist quasi die Verbindung zu meiner Seele, zu meinem innersten Ich, und meine Sprache – vermittels der Musik.Wenn ich Töne anschlage, die ich gerne höre, bin ich ganz eins mit mir – und kann mich dann auch wieder nach außen öffnen.

Musik hat mir zeitlebens sehr viel bedeutet – und auch ganz frühe Prägungen durch Musik spielen da mit rein. Wie wichtig bzw. prägend musikalische Einflüsse bereits vorgeburtlich sein können, ist bekannt. Und da meine Eltern schon immer sehr viel Klassik gehört haben, nehme ich an, dass ich schon als Baby und vorher diese Musik laufend mitbekommen habe.

Bewußt erinnern kann ich mich NUR an Musik. Sie war immer da. Schon im Vorschulalter habe ich (klingt witzig, ist aber so) meine „Präferenzen“ gehabt, liebte Tschaikowsky, die Winterträume, die Pathétique, Beethovens Mondscheinsonate, seine Sinfonien, die „Moldau“ ..dann gab es ein „Rondo“ von irgendjemandem, dazu bin ich mit Begeisterung um den Fernsehtisch getanzt – da war ich vielleicht 4 oder so.

Ich bin so dankbar, diese Erfüllung jetzt (zwar völlig laienhaft, aber mit absoluter Begeisterung) leben zu dürfen – und glaube sogar, dass es das ist, was mir bis dahin immer gefehlt hat, ohne dass ich es zuvor hätte formulieren können ..und da wird es nun noch einiges mehr zu formulieren geben 🙂

Die Musik, das Klavier und die Seele

Rike

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… mein erstes eigenes akustisches Klavier. Sie ist ca. 110 Jahre alt – der Gutachter nannte mir den Zeitraum zwischen 1901 und 1906 als Baujahr. Die ersten vorsichtigen Probespiel-Versuche im Frühjahr 2014 fanden in der Werkstatt des Klavierbaumeisters statt – nur sie und ich alleine. Wenn mir jemand zugehört hätte, wäre ich noch nervöser gewesen.

Ich hatte zuvor einige andere Klaviere angespielt – unterschiedlichste Altersklassen und „Charaktere“ ..die älteren Instrumente sprachen mich insgesamt mehr an, als die neuen bzw. fernöstlichen – und bei Rikes Klang war es dann sozusagen Liebe auf den ersten Blick. Warm, voll und rund – und ein sehr kraftvoller Bass.

Da ich sozusagen „blutiger Anfänger“ bzw. Wiedereinsteiger nach 30 Jahren Spielpause bin, war ich mir allerdings nicht sicher, ob ich meinem Gefühl trauen konnte .. Außerdem – ein braunes Klavier? Dunkle  Eiche? Und das Alter?

Bis dato stand in unserem Wohnzimmer ein dunkel-rosenholzglänzendes Digitalpiano. Dieses große Konzertklavier war natürlich etwas GANZ anderes. Mein Mann zeigte sich sofort einverstanden – was natürlich sehr wichtig war, schließlich muß er es jeden Tag sehen bzw. hören 🙂

Der Klavierbaumeister unterstützte mich in meiner Entscheidung und meinte, das sei auf jeden Fall ein Klavier fürs Leben – ungeachtet des Alters. Restaurierungen würden sich lohnen und das Instrument aufwerten.

Also ..folgte ich meinem Bauchgefühl, und eine Woche später stand Rike (ich nenne das Klavier nach meiner Mutter) als Mittelpunkt in unserem Wohnzimmer.

Ich sehe, da wird es noch viel zu erzählen geben – aber natürlich darf ich überm Schreiben nicht das Spielen vernachlässigen 🙂 Also .. ich geh dann mal üben. Bis bald.

Rike

Warum nicht ein Blog über mein größtes Hobby?

Mein OceanPhoenix – WP-Blog liegt verschlossen und sicher verwahrt, weil ich dort nicht mehr schreibe, die Beiträge und Kommentare aber aufbewahren möchte.

Gerade eben kam mir die Idee, speziell über das Thema Klavier und alles, was dazu gehört, einen Blog zu eröffnen. In unregelmäßigen Abständen dort „Klavier-Input“ zu veröffentlichen – Persönliches über mein Spielen und Üben, Bilder, Links, Gedanken, Sprüche, Erinnerungen rund um die weißen und schwarzen Tasten … das könnte Spaß machen 🙂

Sicherlich wird das nur wenige interessieren – aber vielleicht stolpert ja der eine oder andere im Netz darüber und findet Spaß beim Lesen.

Warum nicht ein Blog über mein größtes Hobby?