Die Musik, das Klavier und die Seele

..Meine Kollegin meinte gestern – die Welt heutzutage ist doch völlig „unmenschlich“ gestaltet, weil die Dinge so viele Ecken und Kanten haben, aus hartem Material sind – ganz fern von uns Menschen.

Sie könnte sich zum Beispiel nicht an einen Drucker kuscheln, keine Zuneigung von einem PC-Monitor oder einem Schreibtisch bekommen ..und die ganze Technik, so viel Nutzen sie auch bringt, entfremdet uns doch immer weiter – von anderen und von uns selbst. Künstliche Nähe über Smartphone und Computer, ständige Beschleunigung der Vorgänge –

der Mensch tut alles, um die UNmenschlichkeit und damit die Entfremdung zu fördern. Also UNmenschlich nicht im Sinne von grausam, sondern von eben nicht menschen-ähnlich. So dass wir als Menschen unser ureigenes Wesen immer mehr zu verlieren drohen ..

Ich dachte natürlich sofort an mein Klavier. Ein Gegenstand – und doch viel mehr: durch die Berührung meiner Finger – bzw. durch meinen ganzen Körper – kann ich Klänge erzeugen, in einer enormen Vielfalt – und die Klänge, die Musik – das wiederum ist etwas Ureigenes des Menschen, seit Ewigkeiten, das aus seiner Seele kommt und seine Seele berührt – das uns zu uns selbst führen und uns zugleich mit anderen verbinden kann.

Warum bin ich so – buchstäblich – verrückt nach dem Klavierspielen, seit ich seine Bedeutung für mich erkannt habe?

Wie kann es mich so intensiv berühren, mich eins mit mir selbst machen, zutiefst glücklich machen?

Es ist ein Instrument und somit ein Gegenstand. Aber es ist so viel mehr – es ist quasi die Verbindung zu meiner Seele, zu meinem innersten Ich, und meine Sprache – vermittels der Musik.Wenn ich Töne anschlage, die ich gerne höre, bin ich ganz eins mit mir – und kann mich dann auch wieder nach außen öffnen.

Musik hat mir zeitlebens sehr viel bedeutet – und auch ganz frühe Prägungen durch Musik spielen da mit rein. Wie wichtig bzw. prägend musikalische Einflüsse bereits vorgeburtlich sein können, ist bekannt. Und da meine Eltern schon immer sehr viel Klassik gehört haben, nehme ich an, dass ich schon als Baby und vorher diese Musik laufend mitbekommen habe.

Bewußt erinnern kann ich mich NUR an Musik. Sie war immer da. Schon im Vorschulalter habe ich (klingt witzig, ist aber so) meine „Präferenzen“ gehabt, liebte Tschaikowsky, die Winterträume, die Pathétique, Beethovens Mondscheinsonate, seine Sinfonien, die „Moldau“ ..dann gab es ein „Rondo“ von irgendjemandem, dazu bin ich mit Begeisterung um den Fernsehtisch getanzt – da war ich vielleicht 4 oder so.

Ich bin so dankbar, diese Erfüllung jetzt (zwar völlig laienhaft, aber mit absoluter Begeisterung) leben zu dürfen – und glaube sogar, dass es das ist, was mir bis dahin immer gefehlt hat, ohne dass ich es zuvor hätte formulieren können ..und da wird es nun noch einiges mehr zu formulieren geben 🙂

Advertisements
Die Musik, das Klavier und die Seele

Ein Gedanke zu “Die Musik, das Klavier und die Seele

  1. Ich verstehe, wie Du es mit Deiner „Beziehung“ zum Klavier meinst. Der Mensch ist teilweise unstofflich und doch braucht er – auf der Erde u- stoffliche Dinge, um wirken zu können. Aber die moderne Technik ist noch einmal eine ganz andere Sache. Ich denke aber, der Umgang damit macht es, ähnlich wie beim TV auch.
    Für mich war das, was für Dich das Klavierspiel ist,, wohl das Tanzen. Ich sollte es vor allem wieder aufnehmen …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s